Kurze Geschichte der Blomenburg
Bauherr der Blomenburg ist der Landgraf Otto Blome, der am 1.10.1795 auf Gut Salzau geboren wurde.
Sein Leben und Wirken wurden von musikalischen (eigene Kompositionen) und künstlerischen
(Bautätigkeit) Interessen geprägt.
1829 erwarb er (nach dem Tod seiner 2. Frau) zu seinem bisherigen Besitz (Gut Salzau) auch noch das Gut
Lammershagen von Graf Baudissin hinzu. Es fehlte ihm hier jedoch ein Herrenhaus, das seinen Ansprüchen
genügt hätte. Deshalb beschloss er auf dem Heidberg bei Selent ein Jagdschloss zu errichten, das,
typisch für die Zeit der ausgehenden Romantik, an eine mittelalterliche Ritterburg erinnerte. Ebenso
wollte er mit dem Landgrafen von Hessen auf Gut Panker wetteifern, der kurz zuvor den Aussichtsturm
Hessenstein auf der anderen Seite des Selenter Sees erbaut hatte.
So wird die Blomenburg in der Zeit von 1842 bis 1857 nach den Plänen des Berliner Architekten Eduard Knoblauch,
der in der Nachfolge des großen Baumeister Schinkel stand,
im neugotischen Tudorstil errichtet. Sie ist in Schleswig-Holstein
das einzige Bauwerk der Schinkelschule geblieben.
Die Burg wurde mit Hilfe unentgeltlicher Arbeit der Lammershagener Gutsbauern erstellt. Diese mussten an
12 Tagen im Jahr Hand- und Spanndienste leisten. Zur Beschaffung des Baumaterials wurden dabei Strecken bis
nach Kiel, Hohwacht und Segeberg zurückgelegt. Im Volksmund hieß die Blomenburg noch lange "Blutburg"
(Kock, 1953). Ob und in welcher Form von den Lammershagener
Bauern im Jahre 1842 und später Hand- und Spanndienste
unentgeltlich durchgeführt wurden ist schwer
nachzuvollziehen, da die Leibeigenschaft in den
Herzogtümern am 1.1.1805 aufgehoben wurde.
1866 verkaufte Otto Blome das Gut Lammershagen wieder, behielt aber die Blomenburg und mit ihr 23 ha Park.
1884 (nach Blomes Tod) erbte seine Tochter Adeline Gräfin Hardenberg, die aus der 3. Ehe mit der Reichsgräfin von Platen
zu Hallermund stammte, die Burg. Zu der Zeit wurde ein
Windkraftwerk errichtet, von dem Selent die Energie für
die Straßenbeleuchtung bekam. Nach Adelines Tod
1908 erbte ihr
Neffe Hans Blome die Blomenburg. Er verkaufte
sie dann 1927 an die Provinz Schleswig-Holstein.
Nun wurde hier ein Landesjugendheim untergebracht,
das zunächst koedukativ, mit eine Burschenabteilung,
geführt wurde. Vorübergehend, in den Jahren 1934-1935
wurde daraus ein Landjahrheim, aber die damaligen
Herrscher sahen schon wenig später ein, dass
Erziehungsschwierigkeit oder Dissizialität nicht
politisch zu beheben ist.
1939 war die Blomenburg kurzzeitig Standort einer
Sanitätskompanie der Legion Kondor. Zum Schutz der Kinder
und Jugendlichen wurden Luftschutzbunker angelegt, die
von den Häusern Lüttenhus und Alt-Tannenhöh direkt
begehbar waren und einen weiteren Zugang von Außen hatten.
Das Haus Eichhof konnte seinen Luftschutzbunker nur
oberirdisch über einen kurzen Weg durchs Freie erreichen.
Das Kavalierhaus am Burghof wurde auf der Gartenseite
mit einem Splitterschutz aus dickem Beton versehen,
der erst bei der letzten Renovierung des Hauses entfernt
werden konnte. Auf dem Dach des Hauses war bis zur
Neueindeckung auch noch der Rest eines roten Kreuzes
zu sehen.
Nach dem Krieg bestand
in der Burg und einigen neu errichteten Gebäuden im Park
ein Landesjugendheim. Bis etwa 1970 lebten dort auch ca. 20
grundschulpflichtige Jungen, dann nur noch junge Mädchen.
Die blieben im Heim bis zur Volljährigkeit, in Einzelfällen
auf Antrag auch darüber hinaus.
Das Landesjugendheim war ein staatliches Heim zur Erziehung
junger Menschen, die im Rahmen der gesetzlichen
Fürsorgeerziehung, später auch der freiwilligen
Erziehungshilfe, eingewiesen wurden. Diese beiden Grundlagen
wurden durch das Kinder- und Jugendhilfegesetz, das die
Kosten für öffentliche Erziehung vom Land auf die
Jugendämter verlagerte, abgelöst.
Im Sommer 1992 wurden im Rahmen des Kontingents der
Landesregierung 140 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Bosnien und
Herzegovina in die nur noch mit wenigen Jugendlichen belegte
Blomenburg aufgenommen. Für viel Geld wurden ungenutzte
Räumlichkeiten notdurftig renoviert und die schon zum
Abriss bestimmte Heimschule am Teich erhalten. Bis zum 15.
August 1993 waren die Flüchtlinge in ein leerstehendes
Marinekrankenhaus nach Flensburg verlegt und das Heim wurde
aufgelöst.
Am 31.12.1996 ging das Schloss mit allen Nebengebäuden,
dem Park und dem Wald in den Besitz
der Hartmann-Gruppe über.