Diese Presseerklärung wurde am 7.1.2003 abgeschickt.


Presseerklärung


Blomenburg-Venturepark kann nicht länger als Vorwand dienen!



Den Fachbehörden als Träger öffentlicher Belange und den Naturschutzverbänden liegt der Flächennutzungsplanänderung der Gemeinde Selent für das Gebiet `Blomenburg´ zur Stellungnahme vor. Obwohl die Bebauung des Blomenburg-Geländes bereits im Landschaftsplanverfahren kritisiert worden ist, hält die Gemeinde an ihrem Vorhaben fest, die wertvolle Landschaft rund um den Blomenburg-Wald großflächig zu überbauen, ja sogar in den Wald selbst und in gesetzlich geschützte Biotope einzugreifen.

Als Begründung vorgeschoben wird jetzt der Venturepark, der angeblich über 200 Arbeitsplätze schaffen soll und für den die Wohnbebauung unter dem Motto `Wohnen und Arbeiten am gleichen Ort´ hauptsächlich errichtet werden wird, so der Erläuterungsbericht zum F-Plan.

Dabei ist der Venturepark zu einer Luftnummer geworden. Der wirtschaftliche Zusammenbruch der Informationstechnologie, auf welche die Hartmann-Gruppe mit dem Gründerzentrum gesetzt hat, hat diesem Projekt endgültig den Boden unter den Füßen weggezogen. Die Hochtechnologie-Branche muss sich in den kommenden Jahren gesund schrumpfen. Für weitere, neu gegründete Firmen besteht also kaum Platz auf dem Markt.

Dieser Situation sind sich der Betreiber Dietmar Hartmann und sein Manager Finn Duggen sehr wohl bewusst. Zudem hat die zum Projekt erstellte Machbarkeitsstudie die mit dem Standort Selent verbundenen Schwierigkeiten in aller Deutlichkeit dargelegt. Selbst zu einer Zeit, als die IT-Branche noch boomte, fiel die Prognose alles andere als günstig aus.

Die Flaute haben auch die anderen, ähnlich konzipierten Innovationszentren zu spüren bekommen. So besteht nach unseren Informationen für das geplante Lübecker Technikzentrum keine Nachfrage und auch das Raisdorfer Gewerbe- und Technikzentrum hat Auslastungsschwierigkeiten.

Auch Hartmann und Duggen haben bislang keine konkreten Ansiedlungszusagen von Unternehmen vorweisen können und zumindest bis Juli 2002 (und höchstwahrscheinlich bis heute nicht) kein differenziertes, zuwendungsfähiges Konzept vorgelegt, wie eine Nachfrage beim Wirtschaftsministerium ergab. Stattdessen versuchen sie, ihr Projekt mit inhaltsleeren Phrasen über die Zeit zu retten. NABU und Bürgerinitiative sind sich sicher: Wenn die nach der F-Planänderung ins Verfahren gebrachten drei für das Blomenburg-Areal vorgesehenen Bebauungspläne behördlich genehmigt worden sind, wird der Venturepark unter Hinweis auf die wirtschaftliche Situation `beerdigt` werden.

Dem F-Plan-Text ist deutlich zu entnehmen, dass die Idee des Ventureparks in erster Linie zur Durchsetzung der Wohnbebauung dient. Denn über den Venturepark mit seinem angeblichen Arbeitsplatzpotenzial von 230 Stellen werden "überwiegende Gründe des Allgemeinwohls" konstruiert, um so eine Entlassung ökologisch wertvoller Flächen aus dem Naturschutz zu erreichen. Dabei haben die Planer übersehen, dass nach einer vor kurzem getroffenen Entscheidung des Hamburger Verwaltungsgerichts zum DASA-Vorhaben am Mühlenberger Loch wirtschaftliche Gründe eben keine Allgemeinwohlbelange vertreten.

Bitter ist zudem, dass Gemeinde, Kreis und Land viel Geld, insgesamt fast 8 Mio. Euro, für den Venturepark verplant haben – Mittel, die anderweitig dringend benötigt werden.

Bürgerinitiative und NABU appellieren an Politik und Verwaltung, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden und das zukunftslose Vorhaben endlich zu stoppen. Durch die Schaumschlägerei von Hartmann und Duggen sollte sich keiner mehr über die tatsächliche Situation hinwegtäuschen lassen.

Fritz Heydemann, NABU
Dr. Hanna Stoba, Bürgerinitiative


Kommentar zu den F- und B-Plänen Email an BI